Es gibt einige bekannte Folgen nach einer Prostata Operation.

Sexuelle Probleme nach einer Prostataoperation

Folgen nach Prostataoperation

Prostatakrebs hat seinen Schrecken verloren: Bei Früherkennung und rechtzeitiger Operation stehen heute die Chancen für den Patienten, vollständig geheilt zu werden, sehr gut. Bei diesem Eingriff, der auch als radikale Prostatektomie bekannt ist, werden die gesamte Prostata mit ihrer Kapsel sowie die anliegenden Samenbläschen und die örtlichen Lymphknoten entfernt. Die oft lebensrettende Operation hat allerdings eine unerwünschte Nebenwirkung, die vielen Männern zu schaffen macht. Abhängig von Tumorausdehnung und Operationstechnik kann es mehr oder weniger stark zu sexuellen Störungen kommen, die dauerhaft oder auch nur vorübergehend sein können. Jeder Mann sollte sich vor dem Eingriff dieser möglichen Nebenwirkungen bewusst sein bzw. diese und mögliche Behandlungsalternativen mit seinem behandelnden Arzt besprechen. Alternativen zur Operation sind Bestrahlungen, die Hormontherapie und die sogenannte aktive Überwachung. Dabei wird der Krebs zunächst nur beobachtet. Erst dann, wenn er nachweislich wächst, wird eingegriffen bzw. operiert.

Urologische Rehabilitation in Rehazentrum Bad Bocklet

Mehrere sexuelle Störungen sind möglich

Impotenz ist die neben der Harninkontinenz (unfreiwilliger Urinverlust) wohl am intensivsten zwischen Arzt und Patient thematisierte Nebenwirkung einer radikalen Prostata-Operation. Doch diese ist nicht die einzige Konsequenz, die eine Entfernung der Prostata nach sich zieht. Eine von der International Society for Sexual Medicine publizierte dänische Studie zeigt, dass rund 90 Prozent aller Männer nach der Operation mit sexuellen Problemen konfrontiert sind. Neben den am besten erforschten Erektionsstörungen (erektile Dysfunktion oder kurz ED) kann es im Zuge einer Prostatektomie zu Orgasmusstörungen, Schmerzen und zusätzlichem Urinverlust beim Orgasmus sowie anderen Beschwerden kommen.

Folgen der Prostataoperation sind verschiedene sexuelle Störungen.

Erektionsstörungen durch Nervenschäden

Wird die männliche Geschlechtsdrüse Prostata, auch Vorsteherdrüse genannt, entfernt, können auch die für die Erektion verantwortlichen Nerven verletzt werden. Die für die Versteifung des Gliedes zuständigen Nervenbahnen ziehen sich gebündelt rechts und links an der Prostatakapsel entlang. Beschränkt sich das Tumorgeschehen auf die Prostatakapsel, stehen die Chancen gut, dass diese Nervenbündel bei der Operation nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Um das zu erreichen, muss der Operateur die Nervenbündel mit großer Sorgfalt von der Prostata loslösen, bevor die Drüse entfernt wird. Das lässt sich nur bewerkstelligen, wenn er oder sie einen Zug auf die Nerven ausübt. Diese mechanische Beanspruchung führt meist zu einer Nervenschädigung, die sich allerdings wieder zurückbilden kann. Eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht. Daher führt die nervenschonende Prostata-Operation zwar häufig, aber nicht immer zu einem schnellen Wiedererlangen oder Erhalt der Erektion.

Weit schlechter ist es um die Erektionsfähigkeit dann bestellt, wenn der Tumor beide Seiten der Kapsel angegriffen bzw. durchbrochen hat. Ist das der Fall, müssen Teile der für die Erektion erforderlichen Nervenbahnen mit entfernt werden. Die Erektionsfähigkeit geht damit verloren, doch besteht auch hier eine Chance, dass die erektile Dysfunktion nach einer gewissen Zeit nachlässt und wieder eine Erektion möglich ist. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen kann dies bis zu einem Jahr dauern.

Ein Risiko einer Prostataoperation kann sein, dass Nerven beschädgt werden.

Die Therapie der erektilen Dysfunktion (Impotenz)

Um die Potenz nach einer Prostata-Op zu erhalten, stehen eine Reihe von Therapiemöglichkeiten zur Verfügung. Eine Standard-Therapie ist die Einnahme von Tabletten, den sogenannten Phosphodiesterase-5-Inhibitoren (PDE-5-Inhibitoren), die zu einer Verstärkung der Erektion führen. Sollte das nicht zum Ziel führen, gibt es weitere Therapieverfahren, die zeitnah eine Gliedsteife herstellen können. Bei der Schwellkörperautoinjektionstherapie ("SKAT") spritzt sich der Patient selbst gefäßerweiternde Medikamente, die eine Erektion auslösen, in den Schwellkörper. Auch mechanisch lässt sich eine Erektion erzeugen und zwar mit einer Vakuumpumpe. Neben diesem Vakuumerektionshilfesystem gibt es noch eine operative Therapie, bei der eine Penisprothese eingepflanzt wird.

Das Ausbleiben der Erektion bedeutet übrigens nicht, dass nach einer Prostata-Operation auch kein Orgasmus möglich ist. Vielen Männern ist nicht bewusst, dass auch bei einem schlaffen Penis, der durch Hand oder Mund stimuliert wird, ein Orgasmus erreicht werden kann, da das "Orgasmuszentrum" im unteren Teil der Wirbelsäule liegt und bei der Operation nicht beeinträchtigt wurde.

Es gibt effektive Möglichkeiten um die Nachwirkungen nach der OP zu beseitigen.

Orgasmusstörungen

Auch wenn die Potenz nach einer Prostata-Entfernung erhalten bleibt, kann die Sexualität durch den Eingriff dennoch massiv beeinträchtigt sein. Das gilt vor allem für die Qualität des Orgasmus, den viele nach einer Prostatektomie deutlich weniger intensiv erleben als vor der Operation. Mitunter kann der Orgasmus trotz Erregung und Erektion auch gänzlich ausbleiben.

Die Ursachen dafür sind noch nicht eindeutig geklärt. Es wird aber vermutet, dass auch die Prostata bzw. ihre Kontraktion bei der Erzeugung von Lust eine Rolle spielt. Auch psychische Gründe spielen wohl oft eine Rolle: Mit einer Krebsdiagnose sind viele Ängste verbunden, so die häufig vorhandenen Befürchtigungen der Patienten und ihrer Partnerinnen, dass eine Therapie der Sexualstörungen und das Ausleben von Sexualität ein Rezidiv (erneutes Auftreten) der Krebserkrankung begünstigen könnte.

Dies ist wissenschaftlich erwiesen definitiv nicht der Fall.

Dazu kommt im Fall einer Prostataentfernung noch die Sorge um die Auswirkungen des Eingriffs auf die Sexualität im Allgemeinen und die Partnerschaft. Bestimmte Faktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass es nach dem Eingriff zu Orgasmusstörungen kommt: Über 60-Jährige, die nicht nervenschonend operiert wurden und/oder die nach der Operation unter einer starken Inkontinenz leiden, sind besonders davon betroffen. Orgasmusstörungen können sich mit der Zeit bessern. Ist die Operation bereits länger vorbei und verbessert sich die Erektionsfähigkeit, werden oft auch die Orgasmen wieder intensiver erlebt.

Eine ursächliche Behandlung einer Orgasmusstörung nach Prostatektomie gibt es noch nicht.

Der Orgasmus kann nach einer Prostata-OP reduziert sein.

Penisverkürzung

Männer, die sich einer Prostatektomie unterziehen, haben mitunter das Gefühl, dass nach der Behandlung ihr Penis verkürzt ist. Das ist keine Einbildung, sondern tatsächlich der Fall. Im Schnitt ist das männliche Geschlechtsorgan nach einer nervenerhaltenden Prostatektomie etwas kürzer als zuvor. Die Ursache dafür liegt in einer postoperativen Degeneration von Nervenfasern. Diese Verkürzung ist allerdings so gering, dass die Betroffenen diese Folgeerscheinung nur selten als problematisch empfinden.

Zusätzlich ist zu Bedenken, dass durch die fehlenden regelmäßigen Erektionen die Versorgung der elastischen Penisanteile mit sauerstoffreichen Blut deutlich reduziert ist. Deshalb kann es zu Veränderungen der elastischen zu fibrösen Strukturen und auch dadurch zur Penisverkürzung kommen.

Dies sollte durch regelmäßige Einnahmen von (verschreibungspflichtigen) Medikamenten bzw. durch regelmäßige Anwendung einer Vakuum-Erektionspumpe im Rahmen einer sog. "penilen Rehabilitation" verhindert werden.

Nach der Prostata-OP kommt es in der Regel zu einer leichten Verkürzung des Penis.

Schmerzen beim Orgasmus

Ein "Brennen" im Unterleib bzw. kurzfristig starke Schmerzen im Unterbauch während des Orgasmus sind eine weitere mögliche Folge einer Prostata-Operation. Durch den Eingriff kann das Gleichgewicht der Muskeln und Weichteil-Komponenten des Bindegewebes (Faszien) aus dem Lot geraten. In der Folge kann es durch die veränderte Anatomie im kleinen Becken, das die inneren Geschlechtsorgane des Mannes beherbergt, zu schmerzhaften Empfindungen beim Höhepunkt kommen.

Dieses Problem legt sich allerdings meist, wenn der Körper sein Gleichgewicht wiedergefunden hat. Manche Betroffene sprechen gut auf osteopathische Behandlungen an und können so das Problem in den Griff bekommen.

Eine weitere Nachwirkung der Prostataoperation können kurzfristige Schmerzen im Unterbauch sein.

Urinverlust beim Orgasmus

Besonders in den ersten Monaten nach der Prostata-Operation kann es beim Orgasmus und mitunter bereits beim Vorspiel zu einem Urinverlust kommen. Eine relativ häufige Erscheinung, die oft mit großer Scham verbunden ist und die dazu führt, gänzlich auf Sex zu verzichten. Diese Form der Inkontinenz geht nicht unbedingt mit generellen Kontinenzproblemen einher. Im Gegenteil scheint es sogar so zu sein, dass häufig Männer davon betroffen sind, die ansonsten kontinent sind.

Hilfreiche Gegenmaßnahmen sind die Verwendung eines Kondoms oder eines Penisrings, der Verzicht auf Flüssigkeitsaufnahme zwei bis drei Stunden vor dem Sex und die Entleerung der Blase unmittelbar vor dem Sex. Auch Beckenbodentraining mit Biofeedback kann diese unangenehme Begleiterscheinung lindern.

Häufig kommt es nach einer Prostata-OP als Nachwirkung zur Harninkontinenz.

Unfruchtbarkeit durch Ausbleiben des Samenergusses

Eine radikale Prostata-Op (Totaloperation) führt immer dazu, dass es trotz Orgasmus zu keinem Samenerguss, einer Ejakulation, kommt. Der fehlende Samenerguss beeinträchtigt die Fähigkeit zum Orgasmus nicht. Manche Betroffene erleben diese "trockenen Orgasmen" allerdings als weniger intensiv.

Weit gravierender kann bei ausbleibender rechtzeitiger Information über diese Nebenwirkung die mit der Operation verbundene Unfruchtbarkeit sein. Die Samenflüssigkeit setzt sich aus Sekreten der Prostata und der Samenblasen zusammen plus der in den Hoden gebildeten Spermien, die über die Samenleiter in die Prostata gelangen. Mit der vollständigen Entfernung der Prostata werden auch die Samenblasen entfernt und die Samenleiter unterbrochen. Das führt zur Unfruchtbarkeit. Männer, die ihre Familienplanung noch nicht abgeschlossen haben, sollten sich daher über ein Einfrieren von Sperma vor der Operation informieren. In jedem Fall ist nach einer radikalen Prostata-Operation Verhütung nicht mehr notwendig.

Nach einer Prostata Totaloperation werden die Samenleiter unterbrochen.

Verlust oder Nachlassen des sexuellen Interesses

Ein Verlust des sexuellen Interesses ist eine weitere, häufige Folgeerscheinung einer radikalen Prostata-Operation. Der Verlust des sexuellen Interesses hat u.a. psychische Gründe resultierend aus Angst vor dem Verlust der Männlichkeit oder auch durch die Angst im Zusammenhang mit der Tumorerkrankung und vor einem Wiederaufflammen der Krebserkrankung.

In diesem Fall hilft nicht nur ein klärendes Gespräch mit der Partnerin, sondern auch der Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen - etwa in einer Selbsthilfegruppe.

Zusätzlich sollte bei den meist älteren Patienten der Sexualhormonspiegel kontrolliert werden. Bei einer Unterfunktion ist z.B. eine Testosterongabe unter strenger fachärztlicher Kontrolle heute kein Tabu-Thema mehr!

Gegen den Verlust des sexuellen Interesses nach einer Prostataoperation kann häufig durch klärende Gespräch mit Experten und der Partnerin geholfen werden.

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Dr. med. Thomas Seyrich
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