Herz

Herzprobleme nach COVID-19 Erkrankung

Welche Informationen erhalten Sie hier?

Das Coronavirus SARS-CoV-2 greift nicht nur die Lunge an, sondern auch das Herz. Aber nicht alle Infizierten sind gleichermaßen betroffen. Welche Folgen COVID-19 für das Herz haben kann, wie man diese feststellt, welche Gruppen besonders gefährdet sind, wie man sich nach einer Coronavirus-Infektion verhalten sollte und was man für seine Gesundheit tun kann, erfahren Sie hier. Basis der wiedergegebenen Informationen sind hauptsächlich Artikel aus Fachzeitschriften sowie Empfehlungen von Fachgesellschaften.

Welche Folgen können Coronaviren auf das Herz haben?

Alle sieben bekannten Coronaviren haben Einfluss auf das Atmungssystem. Das neuartige Coronavirus kann jedoch auch das Herz in Mitleidenschaft ziehen. Laut einem Artikel von Eric J. Jopol im Science-Magazin sogar in stärkerem Maße, als das bei den bisher bekannten Coronaviren, selbst bei SARS und MERS, vorkommt. Bei SARS-CoV-2 tritt eine Beteiligung des Herzens nicht nur bei schweren COVID-19-Verläufen auf, sondern auch bei symptomlos Infizierten und Erkrankten mit milden Symptomen. Das neuartige Virus SARS-CoV-2 kann Folgendes auslösen:

  • Untergang von Herzzellen (Nekrose)
  • Herzmuskelentzündung (Myokarditis)
  • kardiogener Schock
  • Myokardverletzungen
  • Herzrhythmusstörungen

Eine durch die Infektion ausgelöste Herzmuskelentzündung kann folgenlos ausheilen oder zu einer dauerhaften Entzündung, einer entzündlichen Kardiomyopathie und schließlich Herzinsuffizienz führen.

Wie greift SARS-CoV-2 das Herz an?

Die Viren können Herzmuskelzellen direkt infizieren, aber auch die Endothelzellen, welche die Blutgefäße des Herzens auskleiden. Durch die Immunantwort kann es zu Blutdruckproblemen, entzündungsfördernden Reaktionen und Gefäßverschlüssen im Mikrogefäßsystem wie auch in größeren Gefäßen kommen.

Woran zeigt sich eine Beteiligung des Herzens bei COVID-19?

Studien zeigen EKG-Veränderungen bei COVID-19-Patienten sowie erhöhte Troponinwerte im Blut. Diese können auf eine Schädigung des Herzmuskelgewebes hinweisen, aber auch andere Ursachen haben, wie Herzerkrankungen oder eine Lungenembolie. Auch im MRT lässt sich der Angriff des Coronavirus auf das Herz nachweisen. Eine Studie des Forscherteams von Dr. Puntmann vom Institut für Experimentelle und Translationale Kardiovaskuläre Bildgebung am Universitätsklinikum Frankfurt (Goethe CVI) zeigt, dass bei Patienten im MRT auch noch Wochen und Monate nach überstandener Erkrankung Anzeichen einer Herzmuskelentzündung zu sehen sind.

Bleibt der Herzmuskel nach überstandener COVID-19-Erkrankung beeinträchtigt?

Die Studie des Goethe CVI zeigt, dass auch eine mild verlaufende Infektion mit dem neuen Coronavirus das Herz schädigen kann. Mehr als Dreiviertel der Patienten zeigen nach überstandener Corona-Infektion Auffälligkeiten im Herz-MRT. Mehr als 2 Monate nach der COVID-19-Diagnose konnte man noch bei 60% der Patienten Anzeichen für entzündliche Prozesse des Herzmuskels erkennen (Myokarditis).
Für die Herzgesundheit ist es wichtig, Entzündungen des Herzmuskels rechtzeitig zu erkennen und frühzeitig zu behandeln, damit kein dauerhafter Schaden, z. B. eine Herzinsuffizienz zurückbleibt. Das gilt im Übrigen auch für andere Virus-Erkrankungen, die das Herz betreffen, z. B. die Schweinegrippe. Empfohlen wird daher, anstrengende Sportarten für ein halbes Jahr zu vermeiden, auch wenn der Verlauf symptomlos war.

Sind Menschen mit bestehenden Herzerkrankungen durch COVID-19 besonders gefährdet?

Die Deutsche Herzstiftung beruft sich bei der Einschätzung des Komplikations- und Sterberisikos für Patienten mit bestehenden Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems auf die Einschätzung der Amerikanischen Kardiologie-Gesellschaft (ACC): Sie geht von einer erhöhten Komplikations- und Sterblichkeitsrate durch das neue Coronavirus aus. Zu bedenken ist jedoch, dass Infektionen mit Bakterien oder Viren immer eine Belastung für das Herz-Kreislauf-System darstellen, umso mehr, wenn Erkrankungen in diesem Bereich vorliegen, z. B. Herzinsuffizienz oder pulmonale Hypertonie. Hier kann das geschwächte Herz durch den Infekt überfordert werden.

Kinder und Jugendliche mit Herzfehlern

Kinder und Jugendliche zeigen bei einer Infektion mit SARS-CoV-2 im Allgemeinen milde Verläufe und nur leichte Symptome wie Husten, Schnupfen oder Bronchitis. Sie entwickeln nur in seltenen Fällen eine Lungenentzündung. Das Kompetenznetz Angeborener Herzfehler (AHF) empfiehlt daher den Besuch von Kindertagesstätte, Kindergarten und Schule für Patienten mit leichten angeborenen Herzfehlern. Das soziale Miteinander sei hier von größerer Bedeutung für die Gesundheit als die Auswirkungen einer Infektion mit Corona. Das gilt jedoch nicht für Patienten mit moderaten oder schweren Herzfehlern. Hier sollte der Besuch von Betreuungseinrichtungen und Schulen in jedem Fall mit Fachärzten abgeklärt werden.

Begleitende Erkrankung der Lunge als Risikofaktor

Ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe haben Personen, die neben einer Vorerkrankungen des Herzens auch an einer Atemwegserkrankung wie Lungenentzündung, Lungenemphysem, Asthma oder COPD leiden und Patienten, die nach Transplantationen Immunsuppressiva einnehmen müssen.

Auswirkung angeborener Immunschwächen

Patienten mit Herzerkrankung und Besonderheiten im Erbgut wie Trisomie 21 (Down-Syndrom) oder 22q11haben zumeist ein schwächeres Immunsystems und erkranken häufig schwerer. Menschen mit Down-Syndrom haben laut einer im Deutschen Ärzteblatt zitierten Studie aus Oxford sogar ein 10-fach erhöhtes Sterberisiko.

Wie wirken sich Herz-Medikamente bei COVID-19 aus?

Herzpatienten, die ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker erhalten, müssen, entgegen ursprünglicher Vermutungen, wahrscheinlich keinen schwerwiegenderen Verlauf einer COVID-19-Erkrankung befürchten als Patienten, die das Medikament absetzen. Das zeigen Studien aus Durham/USA und der Charité in Berlin laut Deutschem Ärzteblatt. Ursprünglich hatte man vermutet, dass die medikamentöse Therapie die ACE2-Aktivität bzw. Expression, die das Virus als Eintrittspforte nutzt, hochregulieren und sich negativ auf den Krankheitsverlauf auswirken könnte.

Kann man sein Herz vor einer COVID-19-Infektion schützen?

Prävention, die Vermeidung einer Infektion mit SARS-CoV-2, ist das A und O, ebenso die Förderung eines guten Immunsystems durch gesunde Ernährung und Bewegung. Neben der Befolgung der allgemein empfohlenen Verhaltens- und Hygieneregeln können sich Patienten, den Impfempfehlungen entsprechend, gegen Grippe und Pneumokokken impfen lassen, um mögliche Doppelinfektionen zu vermeiden. Allerdings sollte nicht geimpft werden, wenn die Gefahr einer Infektion mit dem Coronavirus besteht, weil beispielsweise im näheren Umfeld COVID-19-Fälle aufgetreten sind.

COVID-19 und Herz: Bietet eine spezielle Reha Vorteile?

Kuren und Rehabilitationen bieten sich einerseits an, um das Immunsystem zu stärken, andererseits um den Genesungsprozess nach überstandener Infektion mit dem Corona-Virus zu unterstützen. Insbesondere für die COVID-19-Erkrankung hat man nämlich festgestellt, dass die Genesungsphase überdurchschnittlich lange dauert. Wie erste Ergebnisse einer Untersuchung der Uniklinik Innsbruck zeigen, lässt sich die Lungenfunktion durch eine spezifische Reha deutlich verbessern.

Das Rehabilitations- und Präventionszentrum Bad Bocklet bietet folgende präventive und kurative Maßnahmen an:

Wenn Sie Fragen zu unseren Angeboten im Bereich Gesundheitsförderung und Rehabilitation haben, sprechen Sie uns gerne an. Wir sind für Sie da, auch während der Corona-Pandemie.

Quellen:

https://science.sciencemag.org/content/370/6515/408
https://www.cardiac-imaging.org/covid19-faq.html
https://www.kardiologie.org/covid-19/erkrankungen-des-perikards/covid-19–dauerhafte-herzschaeden-sogar-bei-milden-verlaeufen/18225326
https://www.kardiologie.org/covid-19/myokarditis/covid-19—herz—grund-zur-vorsicht–aber-kein-grund-zur-panik/18392502
https://www.herzstiftung.de/service-und-aktuelles/presse/pressemitteilungen/herschaedigung-covid-19
https://www.herzstiftung.de/service-und-aktuelles/presse/pressemitteilungen/coronavirus-informationen-fuer-menschen-mit-herz-kreislauf-erkrankungen-und-angeborenem-herzfehler
https://www.apotheken-umschau.de/laborwerte/troponin
https://www.kompetenznetz-ahf.de/aktuelles/meldungen/corona-wie-kann-ich-mich-als-herzpatient-schuetzen/
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/117733/COVID-19-Extrem-hohes-Sterberisiko-von-Menschen-mit-Trisomie-21
https://www.aerzteblatt.de/treffer?mode=s&wo=17&typ=16&aid=215896&s=corona&s=herz
https://www.mta-dialog.de/artikel/covid-19-schwer-erkrankte-profitieren-von-nachsorge.html